Pionierrepublik Wilhelm Pieck

zeitgenössisches Idealbild der Pionierrepublik
Wohngebäude und zentrale Grünfläche des Teillagers 1, 1982
„Garten der Freundschaft“ in der Pionierrepublik, 2023

Gartendenkmalpflegerische Zielplanung

1952 am Werbellinsee in Brandenburg eröffnet, war die Pionierrepublik „Wilhelm Pieck“ das zentrale Pionierlager der DDR. Sie wurde mit rund 18 Millionen Mark aus staatlichen Mitteln errichtet und war eine „Republik in der Republik“ mit einer Fläche von über einem Quadratkilometer. Das Lager war Teil der sozialistischen Kinder- und Jugendorganisationen, insbesondere der Pionierorganisation „Ernst Thälmann“ unter dem Dach der Freien Deutschen Jugend (FDJ).​

Die Anlage wurde nach dem Vorbild des sowjetischen Allunions-Pionierlagers Artek gestaltet. Die architektonische Planung lag in den Händen von Richard Paulick, während die landschaftliche Gestaltung vom Gartenarchitekten Reinhold Lingner verantwortet wurde. Das Lager bot moderne Unterkünfte, zahlreiche Sport- und Freizeiteinrichtungen und einen eigenen Badeplatz am Werbellinsee und war eingebettet in die bewegte Landschaft der Schorfheide.

Die Pionierrepublik diente als ein Ort der politischen Erziehung und Sozialisation für Kinder von der ersten bis zur achten Klasse, um diese im „sozialistischen Klassenstandpunkt“ zu festigen und galt als Kaderschmiede . Bis 1989 fanden internationale Sommerlager mit Kindern aus zahlreichen Ländern statt, was der Pionierrepublik ebenso politische Strahlkraft verlieh, wie Besuche ausländischer Prominenter wie Angela Davis, Juri Gagarin und Yassir Arafat.​

Nach der Wiedervereinigung wurde das Lager an das Land Brandenburg übergeben und entwickelte sich zur Europäischen Jugenderholungs- und Begegnungsstätte Werbellinsee, wobei das Areal eine wechselvolle Nachwendegeschichte durchlief. Heute dient die insgesamt hervorragend überlieferte Anlage als Europäische Jugenderholungs- und Begegnungsstätte Werbellinsee (EJB) für Kinder- und Jugendfreizeiten, Trainingscamps, Ferienlager sowie Familienurlaube.

Basierend auf einer detaillierten Bestandsaufnahme und Quellenauswertung soll eine denkmalpflegerische Zielplanung die Bedeutung der denkmalgeschützten Gesamtanlage und ihrer Teile darstellen sowie Schutz- und Sanierungsschwerpunkte empfehlen.

Gutachten im Auftrag der Eigentümerin
in Zusammenarbeit mit Stella Junker-Mielke Gartendenkmalpflege und Freiraumplanung, Hamburg/Worms und
Freiraumkonzepte Landschaftsarchitekten, Leipzig