Das Villenviertel in Hamburg-Heimfeld

Freiraumhistorische Untersuchung einer großbürgerlichen Siedlung aus der Zeit der Reformgartenkunst

Luftbild auf den nördlichen Teil des Villenviertels um 1921/22
Ehemaliges Anwesen Erna Hastedt,
Eißendorfer Pferdeweg 12, Mitte der 1930er Jahre
Ehemaliges Anwesen August Prien,
Eißendorfer Pferdeweg 34, um 1912
Ehemaliges Anwesen Oberbaurat Carl Köster,
Eißendorfer Pferdeweg 35, im Jahr 1928

Die im ersten Drittel des 20. Jahrhunderts entstanden Villensiedlung am Eißendorfer Pferdeweg in Harburg-Heimfeld ist als städtebauliches Ensemble für Harburg singulär: An keinem anderen Ort der ehemals selbständigen Industriestadt ist es zu einer derartigen Häufung repräsentativer Landhäuser und Stadtvillen gekommen. In der Siedlung manifestierte sich ein ungewöhnlich gehobener städtebaulicher Anspruch, der in der Lage (am Rand des alten Meyerschen Parks), in der Straßenführung (landschaftlich geschwungene Wege zwischen Eißendorfer Pferdeweg und Milchgrund) sowie großzügigen Grundstückszuschnitten mit teilweise altem Baumbestand) zum Ausdruck kam.

Die Exklusivität der Wohnlage wurde durch ein Zusammenspiel von Grundbesitzern (H. C. Meyers Erben), Bauunternehmern (August Prien), dort wohnenden Wirtschaftsmagnaten aktiv befördert. Durch die Verpflichtung zur qualitätsvoll Einfriedung der Grundstücke und zur Unterhaltung aufwendiger Vorgärten wirkten auch städtische Gremien daran mit und nutzten den Nimbus der Siedlung ihrerseits für städtische bzw. politische Einrichtungen (Kinderkrankenhaus und Säuglingsheim sowie NSDAP-Schulungsheim). Bis in die 1940er Jahre war der Eißendorfer Pferdeweg vornehmlich den Harburger Firmenchefs und ihren Familien vorbehalten, während in ihrem Umfeld viele ihrer leitenden Angestellten – quasi in zweiter Reihe – ihre etwas weniger repräsentativen Häuser bezogen. Das soziale Gefälle spiegelte sich damit idealtypisch in der Bebauungsstruktur.

Die in der Villensiedlung tätigen Architekten kamen vorwiegend aus dem Hamburger Raum und offenbarten den großstädtischen Anspruch der Bauherren. Die beauftragten Gartenarchitekten sind bis auf einen Fall bisher unbekannt. In diesem Fall handelte es sich um die Gartenarchitekten Hölscher. Der Seniorpartner F. Georg Hölscher verfügte über jahrzehntealte sehr gute Verbindungen ins Harburger Großbürgertum und bewohnte seit Beginn des 20. Jahrhunderts in unmittelbarer Nähe des Villenviertels, jedoch in immer noch gehörigem Abstand, eine eigene kleinere Villa. Da insbesondere F. Georg Hölscher deutschlandweit über Renommee unter Fachkollegen verfügte, in ist zu vermuten, dass Hölschers bzw. die Vorgängerfirma „Hölscher & Hoff“ (Adolf Hoff war ein für Harburg wichtiger Gartenkünstler, dessen Leben und Werk fast gänzlich unerforscht sind) noch für die Gestaltung vieler weitere Gärten im Villenviertel beauftragt wurden. Diese Annahme wird durch eine zeitgenössische Beschreibung in der Zeitschrift „Die Gartenkunst“ gestützt, die von einer Exkursion der Ortsgruppe Hamburg des Vereins deutscher Gartenkünstler berichtete:

„Von hier aus (der Parkanlage Schwarzenberg, JS) fuhren wir durch eine herrliche Villenstraße mit schönen Vorgärten, die meist von der Firma Hölscher & Hoff angelegt waren, nach der ‚Villa Hölscher‘.

Für den Harburger Raum ist die Villensiedlung durch ihre vielen, im Reformstil gestalteten und oft großen Gartenanlagen auch ein einzigartiges Relikt der zeitgenössischen Gartenkultur. Durch Kriegszerstörungen, Neubebauung und Parzellierungen ist dieses gartenkulturelle Erbe jedoch nur in Resten erhalten und weiterhin von baulicher Verdichtung und Zerstörung bedroht.